Naturfreikauf-Aktion rettet Lebensräume

Im Laufe seiner 100 jährigen Geschichte konnte der Naturschutzbund bereits 1.870 schutzwürdige Lebensräume im Ausmaß von über 16 Mio. m² in seine Obhut nehmen. Sie sind einmalige Juwele unserer Natur- und Kulturlandschaft, die zu Überlebensinseln für gefährdete Tier- und Pflanzenarten wurden. Nur als Besitzer kann der Naturschutzbund den bestmöglichen Schutz garantieren!

Jeden Tag geht in Österreich hektarweise Naturraum verloren – durch den Bau von Verkehrswegen, Parkplätzen oder Gebäuden. Die Natur zieht sich vielerorts auf Restflächen zurück, die zu Überlebensinseln für Tiere und Pflanzen werden. Ihr Schutz genießt beim Naturschutzbund höchste Priorität. Der "sicherste" Weg, diese dauerhaft zu erhalten ist, sie freizukaufen. Seit vielen Jahrzehnten arbeitet der Naturschutzbund daran, mittels Pacht oder Ankauf bedrohte Naturflächen unter seine Obhut zu bringen.

© Johannes Gepp

Schon das Geburtsjahr des Naturschutzbundes ist eng verknüpft mit einem Grundstückserwerb: 1913 kaufte der Verein Naturschutzpark, der Vorläuferverein des Naturschutzbundes, in den Hohen Tauern 11 km2 Grund im Stubachtal für einen „Alpenschutzpark“ an – aus ihm sollte später der Nationalpark Hohe Tauern entstehen.
1936 pachtete der Naturschutzbund im Burgenland die erste Salzlacke am Neusiedler See. 1951 kaufte er mit der „Brunnlust“, einem Quellniedermoor in der Feuchten Ebene, die erste Fläche in Niederösterreich frei. 1965 startete der Naturfreikauf in Kärnten mit dem Erwerb des Höflein-Moores. Mit der „Aktion Wiedehopf“ 1970 kam dort die Rettung bedrohter Natur durch Grundstückserwerb richtig in Schwung: Großartige Naturjuwele, wie z.B. Standorte der Illyrischen Gladiole, der Gelben Alpenrose oder der Frühlingslichtblume wurden von da an in zunehmenden Maße zugekauft.

1974 begann schließlich die Naturfreikauf-Aktion auch in der Steiermark. Ende der 1990er Jahre gelang hier der Ankauf des 11 km (!) langen, aufgelassenen Dammes der Sulmtalbahn, der vom Naturschutzbund in Folge zur „längsten Hecke Österreichs“ gestaltet wurde.

Heute liegen die meisten Grundstücke – 250 an der Zahl – in der Steiermark, während sich von der Fläche her die meiste „freigekaufte Natur“ in Oberösterreich (417 ha) und Kärnten (369 ha) findet. Auch die Naturschutzjugend (önj) konnte bereits 160 ha wertvollen Naturraum retten.

Nach dem Ankauf beginnt die Arbeit…

Der Erwerb eines Grundstückes bringt stets auch eine große Verantwortung mit sich. Viele der Naturparadiese müssen regelmäßig gepflegt werden. Zahllose Helferinnen und Helfer unterstützen den Naturschutzbund ehrenamtlich beim Entbuschen von Mooren, beim Anlegen von Amphibientümpeln oder beim Mähen von Streuwiesen. Dort, wo ein Ankauf eines wertvollen Lebensraumes nicht möglich ist, versucht der Naturschutzbund zumindest über einen Pachtvertrag das Gebiet naturschutzfachlich optimal zu bewirtschaften.

Unterschiedliche Schwerpunkte in den Bundesländern

© Josef Weinzettl

Die jeweiligen Zielsetzungen beim Flächenankauf variieren von Bundesland zu Bundesland: Im Burgenland stehen beispielsweise Ankauf oder Pacht von artenreichen (Halb-)Trockenrasen im Mittelpunkt, da immer noch viele Blumenwiesen in Äcker umgebrochen werden. In Kärnten hat der Erwerb von Mooren lange Tradition (derzeit ca. 200 Moorflächen), im Pinzgau liegt der Fokus auf Anlage, Renaturierung und Betreuung Dutzender Kleinstgewässer und Tümpel durch die Biotopschutzgruppe. 

In Oberösterreich wiederum achtet der Naturschutzbund auf die Sicherung zahlreicher Waldflächen, um möglichst standortgerechte Naturwälder zu erhalten. In den Salzburger und Steiermärkischen Auenlandschaften werden auch „strategische Ankäufe“ getätigt, um die Zerstörung wertvoller Gebiete durch Verbauung zu verhindern – oder zumindest hinauszuzögern. 

In Vorarlberg und Tirol gestaltet sich der Naturfreikauf leider um einiges schwieriger, schreibt doch hier die Grundverkehrskommission vor, dass nur dann eine landwirtschaftliche Fläche erworben werden kann, wenn kein Landwirt dieses Grundstück kaufen möchte. Was so gut wie nie der Fall ist.

Viele Gründe für den Naturfreikauf

Man sieht: Es gibt für den Naturschutzbund die unterschiedlichsten Beweggründe, Natur freizukaufen: Schutz vor Zerstörung („Gefahr in Verzug“), Erhalt von Wildnis- und Evolutionsflächen, notwendig gewordene Renaturierungen, Anlage von Trittsteinbiotopen, Arrondierung bereits im Besitz befindlicher Flächen und manchmal auch strategische Ankäufe („Sperrgrundstücke“).

Landesgruppen-Experten entscheiden über Flächenankauf

Nur wenn es sich um die akut notwendige Rettung einer ökologisch bedeutenden Fläche handelt, wird der Naturschutzbund aktiv. Dabei fällt die Entscheidung, welche Flächen angekauft werden, dezentral von den Biologen in den Orts-, Bezirks- und Landesgruppen des Naturschutzbundes. Sie haben nicht nur das nötige fachliche Wissen für solch eine Entscheidung, sondern sind auch erfahren, wenn es um Gespräche mit den Grundstücksbesitzern geht.

Flächenankauf mit Strategie

Der Naturschutzbund kauft also nicht wahllos Flächen an, sondern tut dies strategisch. Durch Pacht oder Kauf dürfen letztlich nur so viele Flächen neu hinzukommen, die er auch optimal im Sinne der Natur zu pflegen im Stande ist. Neben der finanziellen Hürde des Ankaufs ist es vor allem der Mangel an regionalen und ehrenamtlich aktiven Flächenbetreuern, der den Naturschutzbund immer wieder vor Probleme stellt. Die Betreuung manch eines Lebensraumes, wie z.B. eines Niedermoores, kostet sehr viel Zeit und Kraft!

Helfen Sie mit!

Der Naturschutzbund braucht Ihre Unterstützung! Wenn Sie unsere Naturfreikauf-Aktion mit einer Spende unterstützen, wird es uns gelingen, "neue Gründe" für den Naturschutz zu sichern. Mit 10 Euro können wir im Durchschnitt einen Quadratmeter wertvollen Lebensraum für Eisvogel, Osterluzeifalter & Co ankaufen und pflegen. Bitte helfen Sie uns, möglichst viele m2 unserer heimischen Naturlandschaft zu retten!

Hier finden Sie einige beispielhafte und wertvolle Naturflächen, die wir erwerben, fachkundig pflegen und damit für immer schützen wollen. Herzlichen Dank für Ihre Spende!