Pferdeweide für Huzulen bei Gattendorf (Burgenland)

Die Leitha entsteht aus dem Zusammenfluss der beiden Bäche Schwarza und Pitten bei Lanzenkirchen in NÖ. Sie bildet über weite Strecken die natürliche Grenze zwischen NÖ und dem Burgenland, überquert nördlich des Leithagebirges die Grenze zum Burgenland, entwässert in der Folge die Parndorfer Platte und fließt auf ungarischer Seite der Donau zu. Die Gesamtlänge des Flusses beträgt 180 Kilometer. Bis 1918 bildete der Fluss die Grenze der beiden Reichshälften der Österreichisch-Ungarischen Monarchie – auf österreichischer Seite "Zisleithanien" (= diesseits der Leitha) und auf ungarischer Seite "Transleithanien" (=jenseits der Leitha).

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© Klaus Michalek

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Im Jahr 2008 wurde die Leitha zwischen Gattendorf und Nickelsdorf renaturiert. Es wurden Überschwemmungsräume geschaffen und Altarme wiederangebunden, wodurch sich einzigartige Flusslebensräume entwickeln konnten. Als Seichtwasserfluß mit verschieden hohen Wasserständen weist die Leitha an vielen Stellen unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten auf, was zu einer strukturreichen Ausbildung der Uferbereiche führt, die unzähligen Fischarten zugute kommt. Entlang der Leitha konnte sich an manchen Stellen eine artenreiche Auenlandschaft entwickeln, die im wechselnden Spiel mit Feuchtwiesen, Wäldern und auch landwirtschaftlichen Nutzflächen ein harmonisches Bild einer beschaulichen Naturlandschaft ergibt. Die Lußwiesen befinden sich im nördlichsten Teil des Nordburgenlandes. Sie teilen sich in zwei etwa gleich große Teilgebiete: die Mitterluß im Gemeindegebiet von Zurndorf und die Rohrluß in der Gemeinde Gattendorf. Gleichzeitig liegen die Flächen im westlichsten Teil der Leithaniederung.

Das Feuchtgebiet liegt auf einer einheitlichen Seehöhe von 133m, wobei geringfügige Schwankungen vorliegen. Das Gebiet ist durchzogen von Altarmen der Leitha in verschiedenen Verlandungsstadien. Das unebene Gelände wird durch Senken und Mulden geprägt, die Reste dieser Altarme darstellen. An der Sohle der Altarme sind je nach Verlandungsstadium Sumpfflächen, Großseggenriede oder Feuchtwiesen ausgebildet. An den Hängen und Rändern kommt es zu einer Ausbildung von wechselfeuchten Wiesen und Magerwiesen. Im Bereich der Mitterluß wurde ein Altarm wieder an die "Kleine Leitha" angebunden, und es kommt somit zu einer permanenten Flutung des Feuchtgebietes. Ausgedehnte Wiesenflächen finden sich vor allem in der Rohrluß östlich von Gattendorf. In der Mitterluß sind Grünlandbrachen, Teiche und bruchwaldähnliche Waldstücke zu finden.

Bei Gattendorf kommen an den Lußwiesen als botanische Rarität der Lungenenzian und als Brutvogel und ornithologische Besonderheit der Große Brachvogel vor. Besonders in den Flußniederungen der Leitha zwischen Zurndorf und Nickelsdorf sind zahlreiche zum Teil sehr seltene Brutvogelarten vertreten, von denen einige als besondere Highlights der Feuchtgebiete betrachtet werden können, wie z.B. der Säbelschnäbler, der Kampfläufer und der Bruchwasserläufer. Darüber hinaus kann man auch die Uferschnepfe, den Rotschenkel, die Bekassine, das Tüpfelsumpfhuhn, die Sumpfohreule, den Sakerfalken und den Kaiseradler beobachten.

Im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft wurde ein Großteil der ursprünglich als Weidefläche und als Streuwiesen genutzten Grünflächen in Ackerland umgewandelt und die Altarme zugeschüttet. Nur mehr wenige Wiesen blieben erhalten. In den letzten Jahrzehnten kam es wieder vermehrt zu einer Flächenstilllegung und somit zu einer Ausbreitung der Brachflächen. Ein Großteil der Brachflächen konnte durch Pflegemaßnahmen wieder in wertvolle Feuchtgebiete umgewandelt werden. Ein Teilbereich der Rohrlußwiesen wurde vom | naturschutzbund | Burgenland gepachtet oder angekauft. Diese und andere Flächen werden aufgrund eines Managementplanes jährlich gemäht. 

Im Rahmen der Kooperation mit dm konnte der Naturschutzbund zwei Flächen im Ausmaß von 2.615 m2 in unmittelbarer Nachbarschaft ankaufen. Diese sollen zwei Huzulen-Pferden, die dem Naturschutzbund Burgenland gehören, als Auslauf und Einstand dienen. Der Huzule (auch Altösterreichischer Huzule) ist eine alte gefährdete Haustierrasse und stammt aus der "Huzulei", einem Gebiet in den Ostkarpaten nördlich des Flusses Bistritz, wo sich die Nachfahren der Tataren und Kosaken, ebenfalls Huzulen genannt, als Bergbauern niedergelassen haben.
Die Ponys erfüllen eine wichtige Aufgabe: Sie fressen das Heu der ökologisch hochwertigen Rohrlußwiesen, die als einmähdige Mähwiesen vom Naturschutzbund Burgenland bewirtschaftet werden und vielen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (siehe oben) als Lebensraum dienen. So ist gewährleistet, dass das Mähgut - das keinesfalls auf den Wiesen verbleiben sollte - optimal weiterverwendet werden kann.